Dissoziation und Autopilot als der Standard-Überlebensmechanismus in der heutigen Welt

Aktualisiert: Sept 19

(BETA-VERSION: BEITRAG IST NOCH IN BEARBEITUNG)


Vorweg: Dieser Artikel basiert auf einem Grundverständnis der neurowissenschaftlichen Zusammenhänge, die hinter diesem Link in überblicksartig zusammengestellt sind:

Neurowissenschaftliche Zusammenhänge zur Verhaltungsänderung



Unser Gehirn hat sich noch nicht an die heutige Zeit angepasst, so der Neurobiologe & Hirnforscher Gerald Hüther.

Zigtausende von Jahren wurden unsere neuralen Prozesse im Gehirn für einen archaischen Kontext optimiert, der an Situationen mit wilden Ur-Raubtieren und dem Überlebenskampf beim nächsten Wintereinbruch ausgerichtet war, nicht aber für das 21. Jahrhundert.

Wir alle wissen, dass es damals schnell gehen musste: Angriff, Flucht oder Totstellen. Das wars alles!


Hätten sich das kognitive und das somatische System in der Zeit lang und breit die verschiedenen Handlungsoptionen und deren proportional höchster Überlebenswahrscheinlichkeit ausgelotet, wären unsere Vorfahren schnell gefressen worden.


In diesem Fall ist Dissoziation und Autopilot das einzig richtige, sonst wären wir alle heute nicht hier!


In solchen (urzeitlichen) Extremsituation aktiviert das somatische System über unseren instinktiven Alarmmechanismus, die Amygdala, alles blitzschnell was überlebensnotwendig ist, und alles andere wird radikal deaktiviert:

  • Verdauungsprozesse? Zack weg – jetzt nicht!

  • Regeneration? Muss warten!

  • Neokortex/Denken? Würde jetzt nur stören!

Hier und da wie im Straßenverkehr gibt es vielleicht nochmal einen Anwendungsfalls, aber ständige gefahren mit Tigern und Mammuts sind praktisch nicht mehr vorhanden! Gestresst sind wir aber mehr denn je.


Laut dem Ulmer Hirnforscher & Psychiater Manfred Spitzer kann unser somatisches System die Gefahrenquellen von früher und heute nicht unterscheiden. Die Amygdala funktioniert immer gleich!

Egal, ob sich unsere Angst auf einen Mammut bezieht, eine Corona-Pandemie oder darauf eine Deadline im Projekt nicht zu schaffen, vor unseren Mitmenschen, Kollegen, Freunden dumm dazustehen oder unseren Job zu verlieren:

Jedes Mal läuft das volle Programm, das uns auf den Überlebensmodus reduziert und zum Kommunikationsabbruch zwischen kognitivem und somatischem System führt.

Teil unseres natürlichen Stressmechanismus ist es also, dass zwischen kognitivem und somatischem System, zwischen Denken und Wollen, die Schotten dichtgemacht werden. Erst mal überleben! Man kann diese primäre Reaktionsweise auch Dissoziation nennen.

Die folgende Abbildung zeigt diesen Sachverhalt. Intensiver Stress aktiviert die Amygdala, unser Alarmzentrum. Dieses bewirkt eine innere Spaltung oder Entkoppelung zwischen Körper & Verstand. Das wird Dissoziation genannt.


Wenn wir dissoziiert sind nimmt nicht nur unser offenes und kreatives Denken rapide ab, sondern auch unsere Problemlösungskompetenz. Unser "gesunder Menschenverstand" funktioniert nicht mehr!


Folglich können wir Dinge immer schlechter einschätzen, fühlen und wahrnehmen! Das erhöht wiederum den Stressfaktor, der zu immer mehr Angst und zu einem regelrechten Amygdala-Dauerfeuer führt. Die Konsequenz ist, dass wir in der Angstspirale abwärts immer tiefer in eine vielschichtige Dissoziation rutschen.



Je größer der Stress, desto weniger kooperieren die beiden Partner. Das war im Kontext eines Mammut-Angriffes sehr gut. Heute ist es fatal. Gerade die kniffligsten Herausforderungen unseres modernen Lebens können wir nur dann erfolgreich bewältigen, wenn kognitives und somatisches System optimal zusammenarbeiten.


Das ist die Voraussetzung dafür, dass wir uns mit unserem gesamten Potenzial gut zur Verfügung stehen. In komplexen Sachverhalten brauchen wir Bauchgefühl, Empathie und einen wachen Verstand, nicht entweder oder. Durch die Panik in der Corona-Pandemie ist das bei den meisten Menschen nicht mehr gewährleistet.


Wird ein Reiz als gefährlich identifiziert, folgt automatisch die ganze Stress- und Dissoziationsspirale.


Dissoziationen mit dem sog. „Amygdala-Hijack“ treten viele Male pro Tag bei den meisten Menschen auf



Interessant ist übrigens auch, dass unser Alarmsystem nicht nur auf externe Angreifer reagiert, sondern auch auf unsere eigene Kritik. Wenn wir uns Vorwürfe machen oder uns schuldig fühlen oder verantwortlich weil wir unsere lieben Mitmenschen, unsere Großeltern gefährden … das führt aber dort oben im vermeintlich kühlen Kopf zu gedanklichen Endlosschleifen an mentalen Dramen, einem immer engeren Tunnelblick und einem bemerkenswerten kurzfristigen Intelligenzabbau. Stress über lange Zeit macht uns übrigens auch dauerhaft dümmer und vergesslicher.


Das belegt sehr deutlich eine Harvard-Studie aus dem Jahre 2018. Die Hirnleistung und Wahrnehmung von Harvard-Studenten schrumpfen auf die von Grundschulkinder wenn diese dissoziiert sind. Die Ergebnisse vereinfacht zusammengefasst sprechen für sich:


Persönliche Auswirkungen

  • unsere Sicht wird eng und verhindert offenes, kreatives denken

  • dissoziiert, abgeschnitten von unserm Fühlen, können wir nicht empathisch sein

  • keine komplexen Zusammenhänge mehr verstehbar

Konsequenzen in der Lebens- & Arbeitswelt

  • Konstruktive soziale Interaktionen werden untergraben

  • Unsere Fähigkeit gute Entscheidungen zu treffen ist deaktiviert

  • zahlreiche gesundheitliche Problemen sind die Konsequenz


Konsequenzen für unsere innere Teamkultur …


In Reaktion darauf sendet das somatische System immer stärkere Signale. Mit Kopfschmerzen, Magenprobleme, Erschöpfung, etc. fängt es an. Doch gerade jetzt meinen wir wir einen kühlen Kopf bewahren zu müssen. Mit Schmerz-, Aufputsch- oder Entspannungsmittel in Form von Medikamenten, Alkohol, Drogen oder Kaffee/Nikotin werden die Hilferufe des somatischen Systems gerechtfertigt weggedrückt. Mit diesen Substanzen beschädigen wir nachweislich unseren präfrontalen Cortex, unser sensorisches System und schneiden uns von unseren Gefühlen immer mehr ab. Wir können uns immer weniger wahrnehmen und haben kaum noch eine Möglichkeit der Dissoziation entgegen zu wirken. Wir sind in einer dissoziativen Abwärtsspirale gefangen. (Dr. G. Amen)

Je mehr das kognitive System diese Signale wegdrückt, desto mehr trägt es seinerseits zur stetigen Verschlechterung der Kommunikation bei. Die beiden sind in einer Abwärtsspirale gefangen.

Mit seinem Hang zur Selbstüberschätzung hält sich das kognitive System natürlich für den alleinigen Urheber der Entfremdung. Es will ja schließlich nur "kühlen Kopf bewahren". Das führt aber dort oben im vermeintlich kühlen Kopf zu gedanklichen Endlosschleifen, einem immer engeren Tunnelblick und einem Intelligenzabbau. Stress über lange Zeit macht uns nachweislich dauerhaft dümmer und vergesslicher.

… wie im Innen so Außen. Wir projizieren diesen inneren Konflikt natürlich ins Außen und kommen hier permanent in Schwierigkeiten!


Der Gegenmechanismus zu Dissoziation heißt Integration: Der Verhaltensveränderung beginnt mit der achtsamen Reflektion und etabliert eine mutige Aktion.


Autoren: Johanna & Kornelius Fuhrer

12 Ansichten

Springe in ein neues Bewusstsein.

Ethik

"Works with (your) purpose" ist der Slogan und die Verpflichtung des humanSpirit Netzwerks.

Wozu überhaupt

Weil wir uns als Menschen entwickeln wollen:

Zu ethischeren, kreativeren Mitmenschen. In Teams und Organisationen, die sinnvoll und selbstorganisiert arbeiten.

Natur&Co.

Es ist uns sehr wichtig und für die Arbeit an unserer inneren, tieferen Berufung essentiell wieder mit der Natur in Verbindung zu gehen.

Inhalte

Wir bieten ein breites Spektrum an Angeboten entwickelt nach neuesten kulturpädagogoischen & psychologischen Gesichts-punkten.

Bleiben Sie in Verbindung

Wir schreiben ca. 2-3 Blogbeiträge pro Monat, veröffentlichen in Fachmagazinen und geben auch sonst gerne unseren Senf dazu. Dranbleiben lohnt sich also.

  • White LinkedIn Icon

Wir sind auf

LinkedIn:

Oder schreiben Sie uns

eine E-Mail, wenn Sie keine Web-Formulare mögen.

© 2020 by HumanSpirit, Bachstraße 17, 83209 Prien am Chiemsee

Das Netzwerks für Works with purpose.

Impressum | AGB's